Netzneutralität in Gefahr – EU-Kommission nimmt Drosselung in Kauf

| 12/09/2013 | Reply

Drosselung

Die Debatte um ein gedrosseltes Internet brachte die Deutsche Telekom dieses Jahr ins Rollen. Die Empörung war groß, auch auf europäischer Ebene. Nun aber scheint die EU-Kommission die Netzneutralität vergessen zu haben. Ob nun ein Zwei-Klassen-Internet droht?

Im Aushandlungsprozess zwischen Bürgern, Internetprovidern und Inhalteanbietern ist eine erste aber nicht endgültige Entscheidung gefallen. Die EU-Kommission veröffentlichte Vorschläge zum „digitalen Binnenmarkt“ Europas, das einerseits die Senkung von Roaming-Gebühren vorsieht, andererseits aber auch die Themen Netzneutralität und Drosselung des Internetangebots aufgreift. Die Erklärungen zu letzteren Themen sind aber nicht explizit und ermöglichen den Internetprovidern eine Interpretation nach eigenem Gusto.

Demnach dürfen Provider und Inhalteanbieter, von beispielsweise Streamingdiensten oder Internetfernsehen, Aufschläge für bessere Datentarife verlangen. Das bedeutet, dass Drosselungen ab dem Erreichen einer gewissen Datengrenze nicht mehr ausgeschlossen sind. Dabei diskutierte man erst kürzlich darüber, ob solche Praktiken durch EU-Gesetze verboten werden sollten. Zwangsläufige Folge wäre eben, dass die finanziellen Möglichkeiten eines Internetnutzers darüber entscheiden, ob er das Internet in vollem Umfang nutzen kann oder nicht.

Betroffen wären allerdings auch Start-up Unternehmen, deren Ideen und Geschäftskonzepte hauptsächlich über das Internet realisiert werden. Gegen die Übermacht großer und finanzstarker Konzerne hätten die kleinen Start-ups kaum Überlebenschancen, wenn es etwa darum geht, ein Online-Angebot zu offerieren, das wesentlich von einer flotten Datenverbindung abhängt.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler schaltete sich ein und erklärte, dass die Infrastruktur des Netzes wie es heute besteht, im Sinne der Netzneutralität bestehen und weiter ausgebaut werden müsse. Daten sollten allesamt gleich behandelt und so schnell wie möglich weitergeleitet werden. Dazu passt ein Zwei-Klassen-Internet keineswegs.

Quelle: gruenderszene.de Bild: pc-magazin.de

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Category: NMN News

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