Peeple – Der Höhepunkt unserer Ratingkultur

| 06/10/2015 | Reply

Die Macher der im November erscheinenden Peeple App sehen sich eines gewaltigen Shitstorms ausgesetzt. Dabei haben die Menschen schon vor der Omnipräsenz sozialer Medien den Drang zur Bewertung gehabt. Ein Kommentar.

Peeple

Peeple soll – vereinfacht gesagt – eine Art Yelp für Menschen sein. Die Idee beinhaltet, dass nicht nur Restaurants und andere Locations bewertet werden sollen, sondern auch Menschen. Dabei geht es um das Gesamtbild einer Person, nicht etwa um die Bewertung des Jobs. Ärzte und co. kann man heute schon für ihre Arbeit bewerten. Peeple soll ermöglichen, eine Person in einer Skala zwischen einem und maximal fünf Sternen zu bewerten, samt Kommentar.

Dabei sollen sowohl die Persönlichkeit, als auch das Optische in die Bewertung mit einfließen. Kritiker befürchten Mobbing ohne Ende und haben die aktuell nicht erreichbare Facebook Seite von Peeple einem Shitstorm ausgesetzt. Dagegen beteuern die Entwickler der App, dass nur seit mindestens sechs Monaten registrierte Facebook Nutzer, die über 21 Jahre sind, andere bewerten können. Diese müssen nicht registriert sein, es reicht bereits die Handynummer und den Namen des Bewerteten anzugeben. Schlechte Bewertungen werden zwei Tage lang nicht veröffentlicht, damit sich beide Parteien aussprechen und die eventuellen Probleme beseitigen können. Braucht es dafür wirklich eine App?

Anno 2001 – Rating in der Schulklasse

Es ist kein repräsentatives Beispiel, doch genau das Prinzip dieser App wurde im Jahr 2001 in der Schulklasse des Autors dieser Zeilen angewandt. Die Kinder, zwischen elf und zwölf Jahre alt, höchst präpubertär und auf der Suche nach Bestätigung, begannen sich gegenseitig nach Aussehen und Charakter mit Schulnoten zu bewerten. Rückblickend betrachtet war es für diejenigen mit schlechter Bewertung wahrscheinlich eine grauenvolle Zeit. Doch viel schlimmer muss es für diejenigen gewesen sein, die überhaupt keine Bewertung erhielten. Was ist schlimmer? Schlecht oder gar nicht wahrgenommen zu werden?

Der Wunsch nach Bestätigung ist so alt wie der Mensch selbst. So traurig es ist, es scheint wohl als letzte Konsequenz und Höhepunkt unserer Ratingkultur, dass es eine solche App geben wird. Oder wird zumindest diesmal die Vernunft siegen?

 

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Category: App

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